Spektakel im Synchronschritt
1. Oktober 2009
China feiert mit einer Militärschau das 60-jährige Bestehen der Volksrepublik. In einem Schaulaufen, das selbst die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in den Schatten stellen soll, zeigt das Land seine Größe und Macht.
Die Volksrepublik China feiert ihr 60-jähriges Bestehen mit einem riesigen Spektakel sowohl auf der Straße des Ewigen Friedens (Changan-Allee) als auch auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz).
Dort findet eine der größten Militärschauen in der Geschichte des Landes statt. Es ist die erste Militärparade seit zehn Jahren und die vierzehnte seit der Gründung der Volksrepublik.
Zum Auftakt der Militärparade tragen
1949 Teilnehmer eine riesige Nationalflagge
und gleich danach 2009 Teilnehmer das Wappen der Volksrepublik "CHINA".
Bedeutung der chinesichen Flagge!
Der größere der fünf Sterne in der linken oberen Ecke symbolisiert die Führung durch
die kommunistische Partei, die vier kleineren Sterne dagegen die Klassen des chinesischen Volkes:
Arbeiter, Kleinbürger, Bauern und patriotische Kapitalisten.
So zeigt die
"Volksrepublik China" ihre Macht mit ihren
marschierenden, fliegenden, rollenden militärischen Streitkräften und Waffen!Es soll zweimal mehrfach Feuerwerk abgefeuert worden sein als bei der Eröffnung der Olympischen Spiele. Unter dem Motto
"Das Vaterland und ich marschieren gemeinsam" folgen 100.000sende Zivilisten, darunter gleichwohl tausende Angehörige paramilitärischer Einheiten sowie 80.000 Schulkinder. Die drei Themen sind
"Ideologie, Errungenschaften und Zukunftsaussichten". Umzugswagen repräsentieren die Provinzen und Regionen oder stellen einzelne Themen wie Familienplanung, Energie, Transport, Bildung, Landwirtschaft oder Verfassung dar.
Peking - Das neue China sieht alt aus. Mit einer waffenklirrenden Militärschau und dem Vorbeimarsch von mehr als 200.000 fahnen- und puschelschwenkenden Menschen hat die KP am Donnerstag sich selbst und den 60. Gründungstag der Volksrepublik gefeiert.
Ein Volk im Gleichschritt auf dem Marsch in die Zukunft: Schier nicht enden wollende Reihen von Studenten, Eisenbahnern, Krankenschwestern marschierten nach den Militärs über die Straße des Ewigen Friedens. Sie führten Schriftzeichen mit wie "Das ganze Land errichtet den kleinen Wohlstand".
Alle huldigten sie der KP-Führung, die sich hoch oben auf dem Eingangstor zur ehemaligen Verbotenen Stadt postiert hatte. Von dort aus rief Staatsgründer Mao Zedong nach langem Bürgerkrieg vor genau 60 Jahren die Volksrepublik aus.
Vor Beginn des durch seine Präzision beeindruckenden Spektakels hatte Staats- und Parteichef Hu Jintao im schwarzen Mao-Anzug in einer Limousine der chinesischen Luxusmarke Rote Fahne mit dem Kennzeichen V-02009 die Soldaten begrüßt. Hu ist Oberbefehlshaber der Armee, die allein der Partei untersteht.
"Genossen, ihr nehmt Last und Mühen auf euch", rief er den Militärs zu, die vor den Luxusgeschäften des Oriental Plaza in Reih und Glied standen. Die brüllten zurück: "Oberster Führer, Sie nehmen Last und Mühen auf sich."
Auf dem Platz standen seit den frühen Morgenstunden rund 80.000 Kinder in bunten Kostümen, die mit ihren Puscheln blitzschnell Zeichen bildeten - etwa das Wort "Nationalfeiertag".
So manch Beobachter auf der Tribüne fühlte sich an die Paraden in Nordkorea erinnert. Tatsächlich griffen die Organisatoren tief in die Mottenkiste sozialistischer Lustbarkeiten. Erinnerungen an ähnliche Aufmärsche auf dem Moskauer Roten Platz zu besten Sowjetzeiten wurden wach.
Das war nicht das moderne China, dessen Funktionäre im Armani-Anzug daherkommen und die sich auch nach der Finanzkrise in internationale Hedgefonds einkaufen. Das war ein zutiefst konservatives China, und diesen Eindruck konnten auch einige Festwagen nicht beseitigten, die zum Beispiel das chinesische Raumfahrtprogramm symbolisierten.
Neuer Personenkult:
Sogar den Personenkult belebte die KP wieder: Der Zug führte vier riesige Porträts mit - Staatsgründer Mao Zedong, Wirtschaftsreformer Deng Xiaoping, Hus Vorgänger Jiang Zemin und Hu selbst.
Das Fernsehen übertrug live, nicht geladene Zuschauer waren nicht erwünscht. Die Anwohner der kleinen Gassen in der Nähe des Tiananmen-Platzes durften nicht vor die blau-weißen Polizeibänder.
Auf der Straße des Ewigen Friedens inszenierte das Staatsfernsehen fröhliche Stimmung: Sogar vor der Diplomatentribüne hielt eine TV-Dame in rotem Polohemd ein Schild hoch: "Wir werden Sie gleich filmen, bitte nicht direkt in die Kamera schauen." Wenn sie Applaus der - sorgfältig ausgesuchten - Zuschauer brauchte, klatschte sie in die Hände, das diplomatische Volk tat es ihr nach und freute sich, wenn es auf den riesigen Bildschirmen über dem Platz zu sehen war.
Was die Zuschauer noch zu sehen bekamen, war ein rückwärtsgewandtes Gleichschritt-Jubiläum, das so manchen Beobachter erschauern lässt, weil es nicht mehr in die heutige Zeit passt.
Marschiert China also zurück in die Vergangenheit? Verabschiedet es sich von den Wirtschaftsreformen, von enormen Wachstumsraten, vom Kapitalismus? Holt es Mao aus dem Grab hervor?
Wohl nicht, denn China ist nicht schwarz und weiß. Es existieren viele Chinas nebeneinander. Eine solche Parade richte sich an die einfache Bevölkerung und die alten Kader, sagt Geremy Barmé, Professor in Australien und profunder Kenner der chinesischen Traditionen. Denn normale Bürger sind beim Anblick einer präzisen Militärmaschinerie stolz, zu einem solch starken Volk zu gehören. Und die alten Kader fühlen sich nicht mehr ganz so heimatlos in der modernen Welt, wenn sie an die alten Zeiten erinnert werden.
Eine solche Parade habe
"große politische Bedeutung, weil sie das Vertrauen in die Führungskraft der Partei und in den Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften stärkt", verkündete die Armee selbst.